Auslandshund Pauline 

Teil II

Wie im ersten Teil beschrieben, stellte sich das Leben in der Stadt sehr schwierig dar. Ich traute mich gar nicht mehr aus dem Haus und war ständig angespannt. Hinzu kam natürlich auch, dass ich Pauline kaum kannte, ihre Reaktionen nicht einschätzen konnte und gar nicht wusste, wen ich da eigentlich genau an der Leine hatte. Umgekehrt war es genau so, Pauline konnte sich ihrer Meinung nach nicht auf mich verlassen und musste selbst tätig werden. Hunden liefen wir immer über den Weg und meistens kehrten wir nach 20 Minuten frustiert zurück, da Pauline total überreizt war. Geriet sie erstmal in eine Stressreaktion und das passierte schnell, kläffte sie noch zusätzlich jedes Auto an und ich konnte sie nicht beruhigen... Auch mir fehlte letztendlich die Gelassenheit und Ruhe mit der Situation umzugehen. Ich weiß gar nicht wie oft ich mich bei anderen für Paulines Verhalten peinlich berührt entschuldigte. Am Wochenende flüchteten wir aufs Land zu meinen Eltern. Dort konnten wir aufatmen und unsere Spaziergänge in Ruhe genießen. Dann fiel für zwei Tage der Stress etwas ab.

 

Irgendwann stellte sich für mich die Frage, ob das alles so Sinn macht. Ich versuchte Pauline mit Leberwursttuben an anderen vorbeizulocken, fuhr wenn möglich in ruhige Gegenden, (Problem: ich habe kein eigenes Auto)  aber es war einfach nur Stress. Pauline hatte auch ständig Durchfall, musste oft mitten in der Nacht nach draußen. Im Haus war sie der liebste Hund, den man sich vorstellen kann. Schließlich kam ich nach langer Überlegung zu dem Entschluss, dass sie es erstmal auf dem Land, bei meinen Eltern einfacher hat. Sie musste ja richtig ankommen, uns kennen lernen und vor allem Ruhe finden. Bei mir nicht möglich. Es war ein schwerer Entschluss und natürlich hatte ich mir es anders vorgestellt, einen Hund zu haben. Ich hoffe, es war die richtige Entscheidung. Seit nun fast einem Jahr fahre ich also an den meisten Wochenenden zu meinen Eltern. Jeden Samstag ist Hundetraining angesagt. Auch das war am Anfang eine Katastrophe, mittlerweile bekommt Pauline nach und nach langsam mehr Sicherheit. Auf Hunde reagiert sie außerhalb der Trainingsstunden immer noch mit Angst und Gekläffe. Wo früher aber schon der Geruch zum Totalausraster führte, ist es heute nur noch der zu geringe Abstand. Dieser Abstand muss immer noch sehr groß sein- in der Stadt eben nicht möglich. Ob unsere Fernbeziehung die richtige Lösung war weiß ich nicht. War es in Paulines Sinn? Wäre es egoistisch gewesen, sie hier zu behalten oder habe ich zu schnell aufgegeben, weil es sehr großer Stress bedeutete und mir zu viel wurde? Ich weiß es nicht genau. Auf jeden Fall denke ich, dass so ein gestresster Hund Ruhe braucht und die hat sie auf dem Land einfach mehr wie in der Stadt. Dort können wir Hunde großzügig umgehen und Ausraster vermeiden. Ich hoffe, dass ich Pauline irgendwann wieder ganz zu mir nehmen kann. Wie lange es noch dauert, wird die Zeit zeigen. Noch immer achtet sie zu wenig auf uns und lässt sich von anderen Hunden stressen. Das Vertrauen muss einfach noch wachsen- ich denke in einem Jahr kann man nicht zu viel erwarten. Wie unser Trainingsplan aussieht und welche Maßnahmen man ergreifen kann, erzähle ich euch beim nächsten Mal! Wieder lese ich gerne eure Erfahrungen und Geschichten! Auch wenn ihr Tipps für uns habt bin ich natürlich dankbar!

      
                                           Pauline noch in der Tötung in Rumänien


                                                      Pauline bei uns zuhause

Kommentare:

  1. Eine schwierige Situation in der Du bist. Aber nur Du kannst entscheiden, was für Pauline gut ist. Es ist aber schon sehr traurig, wenn der Hund, den man sich ausgesucht hat, das eigene Laben nicht bewältigen kann. Zum Glück hast Du deine Eltern, die auch noch auf dem Land wohnen. Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass Ihr bald zusammen wohnen könnt….

    Viele liebe Grüße
    Sabine mit Socke

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  2. Hallo Sabine,

    danke für deinen Kommentar und Daumen drücken :) Ich hoffe auch, dass es sich noch bessern wird- ich habe das Problem leider unterschätzt und dachte, dass es leichter wird.... Ich wünsche euch schon mal ein schönes Wochenende! Liebste Grüße, Anja und Pauline

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Thank you for reading!