Auslandshund Pauline 

Teil I


Fast ein Jahr ist es nun her, seit Pauline bei uns ist. Ein anstrengendes und sorgenreiches Jahr- aber wie das so ist, für den Hund tut man ja alles und auch gern... Seit unser Familienhund zuhause gestorben war, hatte ich ständig das Gefühl, dass etwas fehlt. Es  war zu still, nicht so fröhlich wie früher. Aber alles Betteln half nichts - meine Eltern wollten erstmal keinen Hund mehr. Nicht mehr das Angebundensein und die Verantwortung. So kam es eines Tages, dass ich bei meinen Streifzügen durch diverse Tiervermittlungsseiten auf Pauline gestoßen bin. Schon oft dachte ich mir.  " Ach der wäre ja was!" oder "Die ist ja eine Süße....". Aber Pauline musste ich sofort mal an meine Eltern "weiterleiten". Am nächsten Tag dann der Schock: Pauline war schon "reserviert"! Zu ihrer Familie sollte sie in den Sommerferien ziehen. Aber es sollte anders kommen. Die Familie sprang ab und ich bekam meine Chance. 

Da meine Eltern resistent blieben, dachte ich mir, dass ich mir Pauline dann selbst wenigstens anschaue. Nur mal schauen! Einen eigenen Hund  halten, dass war eigentlich kein Thema, das zur Debatte stand. Gesagt getan! Beschrieben wurde sie als kleiner Engel, gut verträglich mit allen und jedem. Als ich Pauline dann gesehen habe, wusste ich, dass ich sie auf jeden Fall zu mir nehmen möchte. Die Pflegefamilie teilte mir dann mit, dass sie wohl andere Hunde sehr anzicken würde (die andere Familie hatte sie deshalb auch nicht genommen bzw. wieder zurück gebracht)- für mich eigentlich ein Ausschlusskriterium, sie war ja anders beschrieben worden... Aber da war es mit der Vernunft schon geschehen- ich wollte sie trotzdem. Dachte mir, dass ich das sicher schnell in den Griff bekomme, wenn ich Regeln aufsetze und sie von Anfang an weiß, dass ihr nichts passiert... Die zuständige  Leiterin der Organisation versicherte auch, dass sich das bestimmt schnell legt und Pauline ja gut in die Stadt passt. Meine Familie riet mir ab, aber ich redete es mir schön. Und so zog sie bei mir ein. Ein kleiner Dackelterriermischling aus einer rumänischen Tötungsstation. Ca. 2 Jahre alt und ein vermeintlicher Engel. 

Oft hört man ja, dass Auslandshunde das Leben im Haus nicht gewöhnt sind, nach draußen möchten oder sehr ängstlich sind und sich erstmal Tage lang verstecken. Das war bei Pauline nicht der Fall. Sie war von Anfang an sehr aufgeschlossen und an uns interessiert, konnte aber auch ohne Probleme alleine im Raum bleiben, ohne Panik zu bekommen. Bis dahin war also alles gut. So, dann ging es am nächsten Tag nach draußen. Es war die Hölle, der Engel wurde zum Teufel! Bei jedem Hund - und bei mir in der Stadt gibt es auf den wenigen Grünflächen viele Hunde - flippte Pauline extrem aus. Sie schrie und würgte sich selber am Halsband, ich konnte nichts dagegen tun. Der Hund konnte noch nicht mal in Sicht sein, nur der Geruch brachte sie um den Verstand. Es war einfach nur schrecklich. Jeder Spaziergang wurde zum Spießrutenlauf, ich ging nur noch zu Zeiten raus, in denen wenige Hunde unterwegs waren. Bei jedem Hund geriet ich selbst irgendwann schon in Panik. Es war wie eine Flucht vor Feinden. Dazu kamen noch die Autos, die Pauline an schrie. Besonders weiße Lieferwagen  brachten sie in Panik. Ich war kurz gesagt einfach total überfordert und konnte nicht mehr. Ich bin selbst ein ruhiger, eher zurückhaltender Mensch. Falle nicht gerne auf, schon gar nicht negativ und strahle wahrscheinlich auch nicht besonders viel Sicherheit aus. Für mich einfach nur schrecklich, einen "aggressiven" Hund zu haben, den ich nicht kontrollieren kann, für Pauline schrecklich, da sie ja puren Stress hatte- jeden Tag! Es war also für uns beide kein leichter Start...  Wie es weiter ging mit uns erzähle ich im nächsten Teil!

Sehr gerne würde ich von euren Erfahrungen mit Auslandshunden hören! Ähneln sie unseren? Wie hat sich die erste Zeit gestaltet? Welche Probleme kamen auf euch zu? Und wie habt ihr euch zusammen gerauft? Freue mich auf eure Geschichten!!

Kommentare:

  1. Das tut mir leid, besonders, weil ich so ein Glück von Anfang an mit Linda hatte. Natürlich muss man sich erst an einander gewöhnen und sicher bringt Linda auch ihre eigene Geschichte mit (nicht umsonst hat sie keinen Schwanz mehr), aber sie hat es mir trotz allem sehr leicht gemacht und für dieses Urvertrauen bin ich ihr auch sehr dankbar.

    Allerdings habe ich auch nicht auf das Urteil des Tierheims gehört, die mir Linda als sehr ängstlich beschrieben haben. Gut, sie war die 14 Tage, die ich sie täglich besucht habe, damit wir uns beide ein wenig beschnuppern konnten, sehr reserviert mir gegenüber. Aber ängstlich, ängstlich fand ich sie nicht.

    Ich nehme mal an, Eure Geschichte geht gut aus und ich freue mich darauf, mehr von Euch zu erfahren.

    LG Andrea mit Linda

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    1. Hallo Andrea,

      danke für deinen Kommentar, hat mich sehr gefreut! Auch, dass du mehr von uns erfahren möchtest :) Deine Linda ist ja eine ganz Süße! Schön, dass du mit ihr so viel Glück hattest bzw. hast! Pauline war uns gegenüber auch von Anfang an offen, wenn nur das Hundeproblem nicht wäre... Liebe Grüße an euch!

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  2. Liebe Anja,

    nun hab ich direkt mal deinen schönen Blog durchforstet, um deine Pauline mal ein bisschen besser kennenzulernen. Ich hab ja bei instagram immer nur so am Rande was von deinen Problemchen mit ihr mitbekommen und deswegen war ich sehr interessiert, mal etwas genauer, reinzulesen.
    Ich finde es ganz ganz bewundernswert, dass du ihr diese Chance gegeben hast und dass du so viel in sie investiert. Ich kenne ja Probleme wie dieses (wenn auch nicht in diesem Ausmaß.) und ich weiß, wie unglaublich ätzend es ist, von seinem Traum-Hund, den man ja von ganzem Herzen liebt, immer wieder so in die Realität gestoßen zu werden. Das Gefühl, nicht Herr der Lage zu sein und eigentlich nur zu reagieren (zumindest fühl ich mich oft so) ist unerträglich. Leider habe ich es bei Lotti anscheinend eigenhändig verbockt, da sie zu Anfang ein super lieber Hund war, verliebt in alles und jeden, und nun erst an der Leine so einen Wind macht...meine Unsicherheit ist nun Schuld, da bin ich sicher.
    Naja, lange Rede und irgendwie ja auch kein Sinn- führe dir immer vor Augen: du bist nicht allein! Unsere Hunde können sich verdammt noch mal glücklich schätzen, dass sie UNS an ihrer Seite habe, weil nicht alle Menschen dem gewachsen wären.
    Ich werd gleich mal die nächsten Teile lesen :) Aber das musste schon mal raus:D
    Herzlichst
    Maxi & die wilde Hilde Lotti

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    1. Hallo Maxi,

      das ist lieb von dir! Freut mich sehr! Bei mir ist es ähnlich, ich fühle mich nicht sicher, auch wenn ich mir es fest vornehme...Und je öfter man schlechte Erfahrungen sammelt, um so schlimmer wird es. Wie hat es denn bei Lotti angefangen?? Ich weiß leider nicht, ob Pauline damit bei der Pflegefamilie begonnen hat oder es schon von Anfang an war.... Auf jeden Fall ist es wirklich ein langer, beschwerlicher Weg! Danke für deinen lieben Kommentar! Anja und Pauline

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    2. Lotti kam mit ca 5/6 Monaten zu mir. Ich vermute ja Hütehundanteile in ihr, in Spielsequenzen schlich sie sich schon damals an andere Hunde ran, bevor sie drauf zuschoss und zum Spiel aufforderte. Das klappte immer gut, sie verstand sich super mit Rüde, Hündin, Welpe. Auch an der Leine war alles super. Sie freute sich immer über jeden. Irgendwann fiel mir auf, dass sie das Schleichen auch an der Leine began. Aber weil es im Spiel immer freundlich war (und ich mich als Hundeanfänger einfach blauäugig verhielt...), habe ich nie eingegriffen. Erst als einige Hunde auf Lottis Schleichgang semibegeistert reagierten und sie laut angingen, begriff ich, dass es an der Leine eher als Drohung aufgefasst werden könnt :/ Ich denke, weil sie die paar Male da so aggressiv angefaucht wurde, vergenerealisiert sie das oder denkt vielleicht, alle Hunde an der Leine sind gefährlich...
      Was vielleicht auch mit reinspielen könnte, ist der Frust, nicht hinzudürfen (natte auch schon mal eine (allerdings inkompetente) Trainerin hier, die das darauf schob, aber da verhielt sich Lotti auch deutlich gesetzter, was ich wiederum auf mein eigenes Erregungsniveau schiebe... bin ja schon entspannter, wenn ich weiß, da ist ein "Profi" da, der hiflt mir...)

      Also, ich denke, dass Lotti keine Angst im ursprünglichen Sinne hat wie deine Pauline... Sie ist einfach immer aufgeregt, wenn sie Hunde trifft. Hat auch meistens ne Bürste, aber im Freilauf entspannt sie sich recht schnell.

      So richtig schlimm ist es bei uns erst vor 1-2 Monaten geworden... Prüfungsstress und ich vermied sehr stark Hundebegegnungen an der Leine... Vermeidung ist halt leider auch nicht der rechte Weg :(

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Ach alles sehr kompliziert! Mit Hütehunden kenn ich mich gar nicht aus... Ich vermeide Hundebegegnungen auch eher :(Ich trau mich nicht richtig ran...

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Thank you for reading!